Was waren auffällige Zahlen auf den Strommärkten in diesem Monat?
Der Juni zeigte eine völlig andere Seite des Sommermarktes als der April und der Mai. Während der Frühling von negativen Preisen und häufigen Angebotsüberschüssen geprägt war, stiegen die Preise im Juni sprunghaft an.
Trotz starker Solarstromerzeugung in ganz Europa blieben die durchschnittlichen Day-Ahead-Strompreise bemerkenswert hoch: rund 107 €/MWh in Deutschland und bis zu 133 €/MWh in Italien. Am 24. Juni (20:45–21:00 Uhr) wurde in Deutschland sogar ein rekordverdächtiger Day-Ahead-Preis von 747 €/MWh verzeichnet! Die Intraday-Märkte erwiesen sich als noch dynamischer: In Schweden (SE3) stieg das 95. Perzentil auf 1.595 €/MWh!
Negative Preise, die in den Vormonaten fast schon zur Routine geworden waren, verschwanden an Wochentagen weitgehend und beschränkten sich meist auf vereinzelte Zeiträume am Sonntag. Noch auffälliger waren die stärkeren Preisspitzen in den Abendstunden.
Was sind mögliche Gründe für dieses Marktverhalten?
Ausschlaggebend war die erste große Hitzewelle des Jahres in Europa. Höhere Temperaturen führten zu einem Anstieg des Stromverbrauchs durch Klimaanlagen und Kühlsysteme, während gleichzeitig die Verfügbarkeit konventioneller Erzeugungskapazitäten zurückging. Viele thermische und Kernkraftwerke sind auf ausreichend Kühlwasser und eine effiziente Wärmeabfuhr angewiesen. Insbesondere in Frankreich begannen sich die Bedenken hinsichtlich der Verfügbarkeit von Kühlwasser viel früher als von vielen erwartet auf die Markterwartungen auszuwirken.
Gleichzeitig speiste die erneuerbare Energieerzeugung während der Mittagsstunden weiterhin große Mengen an Solarstrom ins Netz ein, was zu immer steileren Übergängen zwischen den preisgünstigen Mittagszeiten und den teuren Abendspitzen führte. Der Markt zeigte daher Volatilität auf beiden Seiten der Kurve: reichlich Solarstrom tagsüber und Knappheit am Abend.
Das Ergebnis war ein Marktumfeld, das einmal mehr eine bekannte Realität deutlich machte: Europa verfügt nach wie vor nicht über ausreichende Flexibilität, um Schwankungen der Strompreise wirksam auszugleichen. Batterien, flexible industrielle Lasten und andere reaktionsfähige Anlagen bleiben entscheidend für den Ausgleich des Netzes und die Erschließung von Wertpotenzialen aus diesen zunehmend dynamischen Marktbedingungen.
Was erwartest Du für den nächsten Monat?
Da der Sommer gerade erst begonnen hat, gehen wir davon aus, dass die wetterbedingte Volatilität auf hohem Niveau bleiben oder sogar noch weiter zunehmen wird.
Eine starke Solarstromerzeugung wird weiterhin gegen Mittag für Abwärtsdruck sorgen, während warme Abende und Einschränkungen bei der konventionellen Stromerzeugung zu erheblichen Preisspitzen nach oben führen könnten. Dies dürfte die Intraday-Spreads weiter vergrößern und den Wert von Flexibilität steigern.
Interessanterweise untermauert das aktuelle Marktverhalten auch die wirtschaftlichen Argumente für Co-Location Batteriespeicher. Bei der Speicherung von Solarstrom geht es nicht mehr nur darum, die wertarmen Mittagsstunden zu umgehen. Der eigentliche Wert liegt zunehmend darin, extreme Preisspitzen während der abendlichen Spitzenlastzeiten durch kontinuierlichen Intraday-Handel zu monetarisieren.
Und während sich derzeit alle auf den Sommer konzentrieren, könnte der kommende Winter ebenso interessant werden. Die Gasvorräte bewegen sich derzeit nahe dem unteren Ende der historischen Bandbreiten, was darauf hindeutet, dass Volatilität weit über die Sommersaison hinaus ein prägendes Merkmal der Strommärkte bleiben könnte.
Eines bleibt sicher: Das Energiesystem benötigt nach wie vor deutlich mehr Flexibilität. Deutschland ist noch weit davon entfernt, seine Strompreiskurve zu glätten, und das schafft Chancen für diejenigen, die reagieren können.