ESFORIN MARKET INSIGHT OKTOBER

Dunkelflaute, Rekord-Speicherlücke, Gas über 100 €/MWh: der Oktober-Rückblick von Matthias Dilthey.

Was waren auffällige Zahlen auf den Strommärkten in diesem Monat?

Der Oktober hat gezeigt, wie schnell der Strommarkt von Ruhe in Chaos umschlagen kann.

Ende des Monats erlebte Deutschland die erste längere Dunkelflaute der Heizperiode: kalt, bewölkt und fast windstill. Innerhalb weniger Tage sprang der deutsche Day-Ahead-Preis von rund 13 €/MWh am Wochenende auf über 300 €/MWh, in den Abendstunden sogar auf mehr als 500 €/MWh.

Der Gasmarkt verstärkte den Druck zusätzlich. Der TTF stieg erstmals seit 2022 über 100 €/MWh, während die EU-Gasspeicher Ende Oktober nur zu rund 75 % gefüllt waren (in Deutschland sogar nur zu rund 61 %). Das sind etwa 14 Prozentpunkte unter dem Fünfjahresdurchschnitt und der niedrigste Stand für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen.

Was sind mögliche Gründe für dieses Marktverhalten?

An den Strommärkten ist der Wind zum entscheidenden Faktor geworden. Die Solareinspeisung spielt inzwischen nur noch eine untergeordnete Rolle, und seit der Umstellung auf die Winterzeit beginnt die Abendspitze bereits um 17 Uhr, weil es so früh dunkel wird.

Das Ergebnis ist ein Alles-oder-nichts-Markt:

  • Wenig Wind und hohe Nachfrage an Werktagabenden: Die Preise schießen in die Höhe.
  • Starker Wind und geringe Nachfrage, vor allem an Wochenenden: Die Preise flachen ab, mit geringen Spreads, oder fallen sogar auf nahezu null.

Die Gasmärkte bleiben von den anhaltenden Störungen rund um die Straße von Hormus geprägt. Da Europas Speicher auf Rekordtief stehen, wird jedes Versorgungsrisiko schnell eingepreist.

Was erwartest Du für den nächsten Monat?

Wir gehen davon aus, dass dieser Wechsel zwischen den Extremen den Winter bestimmen wird. Die Gaspreise halten das Preisniveau insgesamt hoch, während der Wind entscheidet, ob ein Tag extreme Spitzen oder flache, ruhige Preise bringt.

Beim Gas gibt es kein Zurück mehr: Seit Ende Oktober befindet sich Europa fest in der Ausspeicherphase. Zwar konnte der Beginn der Ausspeicherung in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr etwas hinausgezögert werden, doch dieser Puffer ist nun aufgebraucht. Ob die Mengen reichen, hängt vom Wetter ab.

Der Polarwirbel wird online bereits breit diskutiert, mit Szenarien von milden bis sehr kalten Wochen. Für uns zeigt das vor allem eines: Noch weiß niemand wirklich, was dieser Winter bringen wird.

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