Skip to main content

Stabilität

Durch den massiven Zubau regenerativer Erzeugungsanlagen, die starken Erzeugungsschwankungen unterliegen, müssen von den Netzregelverantwortlichen in den Stromnetzen sehr viel häufiger Eingriffe in die Netzstabilität vorgenommen werden als noch vor 5 Jahren. Um die Erzeugungsschwankungen auszugleichen, ist es notwendig, kurzfristig Reserveenergie zuzuführen. Da sich teils sehr moderne, schnell hochfahrbare Gaskraftwerke aufgrund des Strompreisverfalls nicht mehr rechnen, werden sie vermehrt stillgelegt. Renovierungen oder notwendige Neubauten werden nicht mehr durchgeführt. Daher wird die Zusammenschaltung kleinerer Erzeugungseinheiten - wie Biomasseanlagen und  KWK-Blöcken oder Mini-Heizkraftwerken - zu virtuellen Kraftwerken, die in Auktionen solcherart Regelenergie anbieten können, immer wichtiger. Zuerst in Deutschland, später auch europaweit. Netzstabilität ist ein entscheidender Produktions- und Standortfaktor. Industriekunden mit Eigenerzeugungsanlagen können auf diese Weise die Flexibilität ihrer Anlagen vermarkten.

Da auch die EU-Kommission erkannt hat, dass nur ein liberalisierter, transparenter und einheitlicher europäischer Energiemarkt eine Standortsicherung für die europäische Großindustrie darstellt, werden immer neue Regelungen zum Monitoring, zur Veröffentlichung von Erzeugungsdaten, zur Auslastung der Netzkapazitäten und zum Market-Coupling erlassen. Marktgebiete werden zusammengelegt, Engpässe ausgebaut.

Gleichwohl herrschen noch nicht in allen europäischen Ländern gleiche Standards hinsichtlich der Veröffentlichung von Transportentgelten, Bilanzierungskosten, Marktkommunikation, Steuern oder sonstigen Restriktionen. So sind z. B. auch die Einheiten, in denen der Gasverbrauch berechnet wird, von Land zu Land unterschiedlich. Pence per Therm, Euro pro Kilowattstunde, Kubikmeter pro Megawattstunde, US Dollar pro Barrel, eine Vereinheitlichung ist nicht in Sicht.

Auch der Energiehandel hat in Sachen Liquidität und Transparenz noch nicht die von den Marktteilnehmern gewünschte Qualität erreicht. An einigen Energiehandelsplätzen in Europa, wie in Großbritannien und den Niederlanden, gibt es eine hohe Marktteilnehmerdichte und nahezu alle Produkte sind zu jeder Zeit von mehreren Anbietern oder Käufern verfügbar. Andere europäische Märkte erreichen nicht die von ACER (Agency for the Cooperation of Energy Regulators – der europäischen Regulierungsbehörde für Energiemärkte) geforderten Mindestmengen und –standards. Eine Zusammenlegung solcher Marktplätze erscheint sinnvoll, ist aufgrund von Partikularinteressen bisher nicht durchgeführt worden. Auch hier werden die nächsten Jahre sicherlich noch einige Änderungen mit sich bringen.